Meistens sind Frauen von einer Zystalgie betroffen – Oft lässt sich das Problem mit einfachen Mitteln lösen
Martina Schneider im Magazin „Der Heilpraktiker“
Meistens sind es Frauen, die von einer sogenannten überaktiven Harnblase betroffen sind: Zu anfangs ständigem Harndrang mit geringen Mengen Urin gesellt sich später unwillkürliches Abgehen von Harn. Manche Betroffenen haben zudem Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen oder ein unbestimmbares Schmerzgefühl im Unterbauch. Alle sind Symptome, die es schwer machen, eine Reizblase von einer Blasenentzündung zu unterscheiden. Allerdings finden sich bei einer Zystalgie keine Anzeichen im Urin, die für eine Infektion sprechen.
Im Überblick:
Störungen im vegetativen Nervensystem werden als Hauptursache vermutet, die eine primäre Reizblase entstehen lassen. Der Patient kann nicht mehr vollständig die Blasen- und Beckenbodenmuskulatur bewusst steuern, eine Problematik, die sich verstärkt, steht er unter psychischem Druck. Oder ist Kälte- und Nässereizen ausgesetzt. Die Blasenwand zieht sich zusammen, der Blasenschließmuskel hält dem Druck nur schwer stand, starker Harndrang wird empfindlich spürbar. Die Folgen: Pollakisurie, Stressinkontinenz, mitunter Strangurie.
Eine primäre Zystalgie entsteht meist
Oft zeigt die Anamnese bei Frauen Kreislaufstörungen, Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung, Sexualstörungen, Migräne, Magen-Darm-Beschwerden. Den Symptomen gemeinsam: Dem Leistungsdruck hält auch die Blase nicht stand, und darüber zu sprechen, ist mit Angst- und vor allem Schuld- und Schamgefühlen besetzt.
Sind körperliche Ursachen der Auslöser, wird dem Betroffenen eine sekundäre Zystalgie attestiert:
In der Psychosomatik werden einige Möglichkeiten bedacht, die eine Reizblase entstehen lassen. Wenn Frauen oder Paare älter werden, kann Sexualität zum Konfliktthema werden. Diskutiert wird auch, inwieweit sich unterdrückte Wut nicht nur über die Leber äußert, sondern auch über die Blase, damit sie auf dem Wege wenigstens täglich und häufig „ausgedrückt“ werden kann. Für Psychokinesiologen ist Blase wie Gebärmutter mit der Scham eng verknüpft, einem Gefühl, das neben Ekel das stärkste ist, das der Mensch empfindet. Und das er gerne umgeht, vermeidet. Strebt er allerdings Veränderung in seinem Leben an, kann die Scham ihm willkommener Lehrmeister sein: Denn sich für eigenes Fehlverhalten, das ins Bewusstsein gedrungen ist, zu schämen (und sich zu entschuldigen), ist oft wirkungsvoller Motivator für schnelle tiefgreifende Wandlung.
Erwachsene können auch dann an einer Zystalgie leiden, wenn sie eine Kindheit erlebt haben, die von Bestrafung und Belohnung geprägt war, von Aufwertung der Pflichten und Abwertung der Rechte, von Prüderie und Doppelmoral. Schuld- und Frustrationsgefühle begleiten sie und münden (bei Frauen) oft in irrationale Ängste – Angst vor dem eigenen Körper, Angst, unsauber und nicht unschuldig zu sein. Über allem schwebt die Angst, die Kontrolle zu verlieren: Die Blase spiegelt diese Dauerspannung wider, die im Verlust der Kontrolle (Stressinkontinenz) gipfelt.
Es gibt einige Möglichkeiten, Patienten mit Zystalgie das Leben leichter zu machen oder sie von ihrem Übel zu befreien. Eine Auswahl:
Die Rinde des Gewürzsumachs (Rhus aromatica), in Amerika heimisch, enthält Gerbstoffe, die antimikrobiell und entzündungshemmend wirken. Verordnet wird bei Reizbeschwerden der Blase wie häufigem Harndrang und einer Neigung zu Harnwegsinfekten. Gerne in Kombination mit Kürbis und Hopfenzapfen-Extrakt.
Petroselinum crispum ist eine der zehn gesündesten Gemüsesorten der Welt, enthüllen Wissenschaftler der William Paterson University in New Jersey/USA: Sie haben 47 Gemüse- und Obstsorten untersucht, das Ergebnis ist seit 2014 in einer Rangliste festgehalten.
Die wild wachsende Petersilie aus der Familie der Doldenblütler stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum, wo sie allerdings nur noch selten vorkommt. Kultiviert wird sie als Küchenkraut in ganz Europa.
Zur Nutz- und Heilpflanze wurde Petersilie erst im Mittelalter. Um sie besser von ähnlich aussehenden Pflanzen unterscheiden zu können, züchteten Mönche aus der ursprünglich glattblättrigen Variante die heute bekannte krause Sorte. Beide haben eine rübenartige Wurzel.
Petersilienwurzel und -kraut werden eingesetzt bei Erkrankungen und Reizzuständen der ableitenden Harnwege. Die Wurzeln der Petersilie enthalten, je nach Art, zwischen 0,3 und 0,7 Prozent ätherisches Öl. Kraut wie Wurzeln enthalten außerdem Flavonoide, Terpene, Furanocumarine und Phenylpropane. In Petersilie ist mit etwa 160 Milligramm auf 100 Gramm vergleichsweise viel Vitamin C. Den typischen Geruch verdankt Petroselinum crispum vor allem den Phthaliden. Da das im ätherischen Öl enthaltene Apiol zu Herzrhythmusstörungen und Fehlgeburten führen kann, sollten nur Kulturrassen mit geringem Apiol-Anteil verwendet werden. In den Früchten ist die Konzentration von Apiol besonders hoch, weshalb die therapeutische Anwendung nicht zu empfehlen ist.
Bärentraube enthält einen antibiotisch wirksamen Stoff, der im Harntrakt wirkt und den Harnfluss steigert. Brunnenkresse-Extrakt wirkt ebenfalls diuretisch und keimhemmend. Kürbissamen senken die Häufigkeit des Wasserlassens. Sonnenhut-Extrakte regen das Immunsystem an.
Auch die Echte Goldrute ist empfehlenswert: Solidago wirkt entspannend auf die Harnwege, regt die Harnbildung an und senkt dennoch die Häufigkeit des Wasserlassens. Um ein Extrakt zu gewinnen, werden während der Blütezeit gesammelte und schonend getrocknete oberirdische Pflanzenteile verwendet. Da eine Reizblase fast immer von mehreren Ursachen gleichzeitig ausgelöst wird, ist zu ihrer Behandlung ein Arzneimittel günstig, das mehrere Wirkmechanismen entfaltet. So zeigen Extrakte aus Goldrutenkraut Wirkung:
Männern mit Prostatahyperplasie können Kürbissamen-, Brennnesselwurzel- und Sägepalmenextrakte helfen. Sie können weiteres Wachstum der Prostata aufhalten oder verlangsamen und lindern Beschwerden wie häufigen Harndrang, abgeschwächten Harnstrahl und Nachträufeln. Zudem wirken sie entzündungshemmend.
2013 wurden in Laborversuchen Teilstücke des Blasenmuskels aus Schweinen untersucht. Durch Anlegen eines elektrischen Feldes wurden die Muskelstücke kontrahiert. Den Forschern gelang es, dieser Kontraktion mit Oxybutynin (einem konventionellen, krampflösenden Mittel) und mit einem Extrakt aus Kalanchoe (Kalanchoe pinnata) dosisabhängig entgegen zu wirken, hat die Karl und Veronica Carstens-Stiftung, Essen, veröffentlicht. Den bis 2014 aktuellen Stand der Forschung zu Kalanchoe pinnata und nachgewiesenen Wirkungen sowie eigene Erkenntnisse hat die Pharmazeutin Karin Monika Fürer, Zürich/Schweiz, in ihrer Doktorarbeit zusammengetragen.
Das Brutblatt gehört zur Familie der Dickblattgewächse, vor allem in Madagaskar und im Regenwald heimisch. Brutblatt ist eine Bezeichnung für eine Pflanzengattung, zu denen Arten wie Kalanchoe daigremontiana, Kalanchoe pinnata und Kalanchoe prolifera gehören. Brutblätter sind zweijährige bis ausdauernde sukkulente Pflanzen. Die wohl bekannteste Art hierzulande ist die als Goethepflanze bezeichnete Heilpflanze Kalanchoe pinnata. Das erste, 1814 unter dem Namen Bryophyllum calycinum nach Deutschland eingeführte Exemplar von Kalanchoe pinnata stammte aus dem Botanischen Garten Kew/Großbritannien und wurde im Botanischen Garten Hannover vermehrt. 1817 erhielt der Botanische Garten Belvedere in Weimar eines dieser Exemplare. Wenig später beobachtet Johann Wolfgang von Goethe dort, wie Pflänzchen an den Blatträndern der Mutterpflanze wachsen. Davon fasziniert, beginnt Goethe mit der Aufzucht und der genauen Beobachtung dieser Pflanze. 1830 schreibt er: „Wie aus einem Blatt unzählig frische Lebenszweige spriessen, mögst in einer Liebe selig tausendfaches Glück geniessen.“
Kalanchoe pinnata, auch Heiliges Blatt und 1000 Wunderpflanze genannt: Äußerlich werden Saft und Blätter bei schmerzhaften, entzündlichen Prozessen der Muskeln und Gelenke angewendet, bei Fersensporn, bei Kopf-, Ohren- und Zahnschmerzen, Verbrennungen und Insektenstichen, Knochenproblemen und rheumatischen Erkrankungen. Inhaltsstoffe des Saftes: Zitronensäure, Apfelsäure, Essigsäure, Magnesium, Calcium, Mangan, Gerbstoffe, Polysaccharide, Flavonoide. Innerlich wird die Heilpflanze als Extrakt eingesetzt – gegen Infektionen und Entzündungen sowie bei Reizzuständen und funktionellen Störungen.
Empfehlungen an Patienten:
Wenn alles nichts nutzt, ist eine Hormonbehandlung oder eine Operation bedenkenswert. Bei Frauen kann ein Hormonmangel in den Wechseljahren Schmerzen und Schwächung oder Senkung im Beckenbodenbereich auslösen. In einer Hormonbehandlung werden zur Beckenbodengymnastik Hormone oral, in Cremezubereitungen in die Scheide oder als Scheidenzäpfchen vom Arzt verordnet. Sollte dies ohne Erfolg bleiben, kann eine Operation angezeigt sein, um die Blasenlage zu korrigieren, die Harnröhre mittels eines Gummibandes zu stärken oder, bei Männern, die Prostata zu entfernen.
Chronische Beschwerden ohne organische Ursache: ein Fall für die Organsprache in der Psychosomatik
Martina Schneider im Magazin „Der Heilpraktiker“
Für etwa ein Drittel der Patienten, die in Praxen (oder Kliniken) behandelt werden, lassen sich keine organischen Ursachen finden, die ihre mitunter heftigen Beschwerden erklären könnten. Die meisten von ihnen sind Schmerz-Patienten, die vor allem unter Rückenschmerzen leiden. Das nächste Problem: Da über das Forschen nach möglichen Ursachen einige Zeit ins Land gegangen ist, hat sich bereits ein Schmerzgedächtnis ausgebildet, das Leiden ist chronisch geworden.
Ergebnis der aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes EMNID zum Thema Schmerz:
Tritt vors Schienbein oder üble Beleidigung: Das Gehirn kann nicht zwischen psychischen und physischen Verletzungen unterscheiden, haben Untersuchungen mit dem Kernspintomografen gezeigt. Beide lösen Schmerz und Stress aus. Dadurch wird es möglich, dass ein körperlicher Schmerz an die Stelle eines seelischen Schmerzes tritt.
Schmerzen aus nicht organischer Ursache können eine Depression ausdrücken oder einen Burnout. Sie können Reaktion sein auf belastende Lebensumstände, eine Konfliktsituation, eine persönliche Krise, auf ein Trauma, auf Mobbing. In jedem Fall versucht die Seele, über den Körper den Blick zu schärfen auf das, was in Schieflage geraten ist, sich Gehör zu verschaffen für das, was unausgesprochen im Raum steht, und Gefühle zu äußern zu dem, was gerade das Leben schwer macht. Die Psyche ist also entscheidend: „Schmerzen im Rücken sind gewissermaßen mit Emotionen vernetzt“, erklärt Dr. Ulf Marnitz, Leitender Arzt des Rückenzentrums Berlin. Wer länger als drei Monate unter Rückenschmerzen leidet, bekommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent eine Depression. Und umgekehrt können auch psychosoziale Probleme Rückenschmerzen erst auslösen.
Zwei Formen der körperlichen Symptombildung werden unterschieden:
In beiden Fällen ist das Wichtigste, dem Patienten wieder Zugang zu seinen Emotionen zu verschaffen, um der Lösung seines Problems auf die Spur zu kommen. „In der Psychosomatik spielt der Schmerz als Ausdrucksform seelischen Erlebens und Verarbeitens eine herausragende Rolle“, sagt der Frankfurter Arzt für Psychosomatische Medizin, Pierre Eric Frevert. „Dies gilt mit besonderer Betonung für den chronischen Schmerz.“ Für den Münchener Psychologen Robert Betz ist das, was der Körper zeigt, „der Zustand unseres Bewusst- und Unbewusst-Seins“. Für alle Krankheiten, sagt er, haben wir uns einmal unbewusst entschieden. „Wirkliche Heilung geschieht daher nur über den Geist!“
Dabei kann zu Beginn einer Therapie die Beantwortung folgender Fragen hilfreich sein:
Bereits eine Antwort, die er sich gewissenhaft gibt, ebnet dem Schmerzpatienten den Weg zu Innenschau und Selbstreflexion, „unerlässlich für eine günstige Prognose“, hat Pierre Eric Evert festgestellt.
Wie können nun Rückenschmerzen übersetzt werden? Was will die Seele über den Körper aussagen? Rückenprobleme können den Betroffenen regelrecht gefangen nehmen, wenn er ans Bett gefesselt ist, oder lähmen, wenn er sich vor Schmerzen nicht mehr rühren kann. Sie belasten den Menschen, der sich zu viel aufgeladen und krumm gelegt hat – für die die Firma, für die Familie.
Vielleicht hat der Mensch aber auch irgendwann angefangen zu buckeln, sich zu verbiegen, weil er nicht anecken will, und ficht im Inneren beständig Kämpfe aus: zwischen Angst und Aggression, Unterwürfigkeit und Auflehnung, Selbstwertgefühl und Autoritätsgläubigkeit. Im Ergebnis mangelt es ihm an Aufrichtigkeit, zumal er keine Meinung mehr hat – eine Haltung schon gar nicht. Probleme an der Wirbelsäule sind Beschwerden an dem verbindlichsten Organ, das der Mensch hat; ob er der Verbindlichkeit, sprich der Verantwortung für sich selbst gerecht wird, wäre die nächste Frage.
Oder er leidet an Unruhe, an innerer Spannung, die sich in die Muskeln weiterträgt. Die Beweglichkeit wird mehr und mehr eingeschränkt, die Flexibilität ohnehin, eine wenig vornehme Steifheit ist die Folge. Oder sogar eine ausgeprägte Halsstarrigkeit. Auch dies ist eine Art von Lähmung, sobald jemandem die Angst im Nacken sitzt und das Leben diktiert. Oder zumindest das, was davon übrig geblieben ist.
Im Menschen staut sich derweil der Druck auf und kann nicht heraus; beständige Kontrolle haben den Blick fixiert, starr geradeaus, so und nicht anders. Es gibt kein Rechts und Links mehr, kein Sowohl – Als auch. Punkt! Gefühle werden als störend empfunden, vor allem die Wut gilt es zu deckeln, schon wölbt sich die Brust aggressiv nach vorne. Eine Haltung, welche die Handlungsfreiheit enorm einschränkt, denn die Hände werden gebraucht, um sie in die Hüften zu stemmen. Irgendwie muss man den Ärger doch ausdrücken!
Mitunter liegt eine Steifheit in einer Abwehr begründet. Wem schon als Kind angedroht worden ist, dass ihm das Rückgrat gebrochen werde, hat früh gelernt, sich dagegen zu wehren, indem es den Rücken versteift. Später will der Mensch auf keinen Fall mehr klein beigeben, um seine Integrität zu wahren. Nur auf den ersten Blick eine gute Strategie: Oft hat er irgendwann verlernt, nachzugeben oder sich sogar hinzugeben. Auch hier ist hilfreich, den Patienten wieder mit seinen Gefühlen zu verbinden. Vor allem die Trauer hinter der Wut vermag ihn zum Weinen zu bringen. Und wer in Tränen ausbricht, stellt fest, dass er doch nicht, wie befürchtet, zusammenbricht, sondern endlich seinen steifen Panzer aufbricht. Weil er beginnt, loszulassen.
„Sei immer stark!“ – „Sei immer perfekt!“ – „Mach immer schnell!“ – „Streng Dich an!“ – „Mach es allen recht!“ : die fünf inneren Antreiber im Menschen, die uns das Leben schwer machen, wenn wir sie nicht hinterfragen und beherrschen lernen, sondern zulassen, dass sie uns – ungefragt – beherrschen. Sie sind eine Last, ein Kreuz, bedrücken uns, setzen uns zu, machen uns Angst vor Gott und der Welt.
Jetzt bloß nicht auffallen! Sich ducken, sich drücken. Sich durchs Leben schlängeln. Dann fällt sie doch auf, die Skoliose. Welche Bedürfnisse werden sich nicht eingestanden? Weibliche (verbogen zur linken Seite) oder männliche?
Der Druck von außen scheint sich beständig zu erhöhen, der Mensch kann die Stöße des Lebens nicht mehr abfedern, ihnen nicht mehr standhalten. Er hat zu viele Aufgaben angenommen, um seiner Umwelt aufzufallen, und sich übernommen; er versucht, dem Druck zu einer Seite hin auszuweichen. Ein heftiger Vorfall ist das, der Bandscheibenvorfall. Kriminell überdies: Wie soll sich die Bandscheibe gegen beständige Erpressung wehren, ohne ausfallend und vorstellig zu werden?
Das Fazit zog Hippokrates bereist vor knapp 2500 Jahren: „Was genutzt wird, entwickelt sich, was ungenutzt bleibt, verkümmert!“